Mellum ist eine relativ junge Düneninsel an der Nordspitze des Hohe-Weg-Wattrückens. Sie ist erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf der Wattwasserscheide zwischen Jade und Weser entstanden. Der Flutstrom, der von Nordwesten aufläuft, transportiert Sand heran, aus dem sich Strandriffe aufbauen. Die Brandung schiebt den Sand hoch und bildet einen Strandwall, der auf alten Seekarten als "Hochdünkirchen" bezeichnet ist. Wasserströmungen und Winddrift erhöhen die Sandplate, Pflanzen siedeln sich an und halten den Sand fest, so daß Dünen entstehen. Im Schutz der Dünen entwickelt sich eine Salzwiese. Das Grünland ist von sieben Hektar im Jahre 1903 auf heute über 750 Hektar gewachsen. Die Oldenburger Dr. h. c. Heinrich Schütte und Karl Satorius verfolgen am Anfang dieses Jahrhunderts die Entwicklung genau, notieren alle Veränderungen und legen entscheidende Grundsteine für die heutigen wissenschaftlichen Arbeiten. Im Gegensatz zu den anderen ostfriesischen Inseln, wo durch Küstenschutzmaßnahmen die Dynamik der Inselentwicklung eingegriffen worden ist, lassen sich küstengeologischen Vorgänge auf Mellum ungestört beobachten. Während des zweiten Weltkrieges erfolgt der einzige künstliche Eingriff in die natürliche Entwicklung der Insel: In der Südhälfte wird durch Sandaufspülung ein Ringdeich errichtet und eine vier Hektar große sturmflutsichere Fläche - "das Eingedeichte" - geschaffen. Bunkerruinen und Betonklötze zeugen noch heute davon, daß sich hier einst eine Flakbatterie befand. Unterkunft der Vogelwarts und Betreuer war in den ersten Jahrzehnten die Wohnbake von 1907 im Norden der Insel, später die 1922 errichtete Spitzbake südlich des Grünlandes. 1933 wird erstmals ein fester Unterstand auf Mellum erwähnt, der den Vogelwarten vor allem als Schutz bei Schießübungen diente. 1950 ließ der Mellumrat auf dem Fundament des ehemaligen Flakgebäudes ein Backsteingebäude als feste Station errichten. Das Gebäude, heute verputzt und weiß gestrichen, bietet den Naturschutzwarten sowie Gastforschern Wohn- und Arbeitsmöglichkeit; Schlafgelegenheit besteht für max. 10 Personen. ![]() weiter |
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