Mellum, das neu entstandene Eiland an der Jade, war Anlass für die Gründung des Mellumrats im Jahr 1925 – damals als ein Rat von Fachleuten, die die Seeschwalbenkolonie der Insel vor Eiersammlern und anderen Zugriffen schützen wollten. Sie erreichten, dass Mellum als Seevogelfreistätte unter Naturschutz gestellt wurde. Bald bekamen Freiwillige die Möglichkeit, dort, mitten im Wattenmeer, die Natur zu bewachen, zu beobachten und zu erleben.
Dieser Tätigkeit ist der Mellumrat seit 100 Jahren treu geblieben. Im Laufe der Zeit ist er zu einem lebendigen, mitgliederstarken Verein geworden. Er betreut heute mehrere Schutzgebiete, zum großen Teil im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Hier konnten schon hunderte meist junge Menschen eine Saison inmitten der Natur verbringen und bei ihrer Tätigkeit Eindrücke für ihr ganzes Leben sammeln. Sie sorgen dort nicht nur für störungsfreies Leben der Natur, sondern dokumentieren Beobachtungen und informieren Gäste mit Vorträgen und Führungen. Viele von ihnen sind auch später dem Naturschutz treu geblieben und kehren gern zu den regelmäßigen Vogelzählungen oder zu Arbeitseinsätzen in „ihre“ Gebiete zurück.
Der Mellumrat unterstützt und fördert zudem die Erforschung der Natur in den betreuen Gebieten, gibt neue Impulse wie die systematische Strandmüll-Erfassung oder die fossilfreie Sportschifffahrt und informiert über die Natur und interessante Entdeckungen und Untersuchungen in der Region mit Exkursionen, Vorträgen, Ausstellungen, mit dem Nationalparkhäuser Wangerooge und Dangast, sowie mit seiner Zeitschrift “Natur- und Umweltschutz“. Er unterhält einen Stiftungsfonds und hat In diesem Jahr zum ersten Mal seinen neu geschaffenen Jesse Wissenschaftspreis verliehen.
Mit dem Jesse Wissenschaftspreis zeichnet der Mellumrat e.V. wissenschaftliche Arbeiten sowie Projekte aus, die sich den Themen Umwelt- und Naturschutz im niedersächsischen Küstengebiet gewidmet und mit ihren Ergebnissen dazu beigetragen haben, Kenntnisse und Entwicklungen in den verschiedensten Fachrichtungen wissenschaftlich fundiert zu erweitern und zu vertiefen.
Der diesjährige Preis ging an Martin Urbach, Student an der Hochschule Bremerhaven im Bachelor-Studiengang „Biotechnologie der Marinen Ressourcen“ für seine Bachelorarbeit im Rahmen des Citizen Science Projektes „Seepferdchen an der deutschen Nordseeküste“.
Das Jubiläum wurde zu Beginn der Zugvogeltage mit einem Festakt begangen. Mit Vorträgen wurden die vielen Aktivitäten und Erfolge des Vereins dargestellt. Zwei Festvorträge führten den Teilnehmern vor Augen, mit welchen Veränderungen Zugvögel zu kämpfen haben, wenn im Klimawandel z.B. Lebensräume und für die weiten Wanderungen wichtige Nahrungsgebiete wegbrechen (Prof. Dr. Franz Bairlein) und wie Veränderungen im Wattenmeer zu schleichendem Verschwinden von Arten führen, dass zunächst unauffällig bleibt, aber später nicht mehr zu verhindern ist (Prof. Dr. Helmut Hillebrand).
Das neue Buch „Mellum – Insel im Weltnaturerbe Wattenmeer“ zeigt die Besonderheiten dieser einzigartigen, weitgehend unberührten Insel, das Leben und Arbeiten dort und die Vielfalt der Natur hier, auf den ostfriesischen Inseln und im Wattenmeer mit anschaulichen Texten und eindrucksvollen Fotos. Es ist beim Mellumrat für 19,80 Euro erhältlich.

















