Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wird 40 Jahre alt

Foto: © NLPH Wangerooge/Gerrit Martens„Natur Natur sein lassen.” Dieses Motto trat am 01. Januar 1986 mit der Nationalpark-Verordnung im Niedersächsischen Wattenmeer in Kraft. Damit feiert der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen! Angefangen hat der Naturschutz im ostfriesischen Raum auf unbewohnten Inseln wie Memmert und Mellum, die zum Vogelschutz schon 1924 bzw. 1938 als Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden. Bevor darauf der Nationalpark folgte, sollte nach niedersächsischem Raumordnungsprogramm von 1982 zunächst ein Naturpark „Ostfriesische Inseln und Küste” entstehen. Nur kleinere Gebiete zwischen Leybucht und Ems sowie Jade und Weser – mit den Inseln Memmert und Mellum – sollten zunächst Nationalpark werden. Ab Ende 1983 wurde letztendlich ein Zonierungsmodell für einen Nationalpark erarbeitet, der das gesamte niedersächsische Wattenmeer einschließlich der Inseln abdecken sollte. Ende 1985 wurde die Verordnung durch das damals zuständige niedersächsische Landwirtschaftsministerium beschlossen. Damit wurde das niedersächsische Wattenmeer naturschutzrechtlich in die höchste Schutzkategorie gehoben.

1999 ist diese Nationalpark-Verordnung durch das Gesetz über den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ ersetzt worden, welches seitdem mehrfach geändert wurde. So wurde der Nationalpark 2001 und 2010 durch Küsten- und Seebereiche erweitert sowie Flächen für den Tourismus aus dem Gültigkeitsbereich des Nationalparks herausgenommen oder in der Zonierung herabgestuft. Nachhaltiges Leben für Mensch und Natur stehen hier im Fokus. Seit 1992 ist der Nationalpark (in den Grenzen von 1986) deshalb auch als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. In Zukunft wird der Nationalpark weiterhin eine wichtige Rolle für Anpassungen an den Klimawandel sowie Bildung im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit spielen.

Auch international hat das Wattenmeer große Bedeutung, nicht zuletzt durch die gemeinschaftliche Küste von den Niederlanden, Dänemark und Deutschland. Schon seit 1978 arbeiten sie zusammen am Schutz und Erhalt des Wattenmeeres, unter anderem bei Verwaltung, Monitoring und Forschung sowie politischen Angelegenheiten. 1982 wurde eine

Gemeinsame Erklärung zum Schutz des Wattenmeeres verabschiedet, um Aktivitäten und Maßnahmen zu dessen Schutz zu koordinieren, 1997 wurde ein trilateraler Wattenmeer-Plan angenommen. Diese gemeinsame Verantwortung wird 2009 bei der Auszeichnung als Weltnaturerbe deutlich. Nach Bewertung der UNESCO „ist das Wattenmeer eines der letzten verbliebenen großräumigen Gezeitenökosysteme, in denen natürlich Prozesse weitgehend ungestört ablaufen.“ Die verschiedenen Lebensräume vom Meer über den Strand, Dünen, Salzwiesen bis ins Watt beherbergen insgesamt 10.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten.

Foto: © NLPH Wangerooge/Gerrit MartensAuf Wangerooge informieren das Nationalpark-Haus mit den beiden Naturschutzorganisationen NABU und Mellumrat über die Natur der Insel und setzen sich für ihren Erhalt ein. Ein besonderes Beispiel hierfür ist die Küstenheide im Inselzentrum. Es ist das einzige größere zusammenhängende Vorkommen von Besenheide auf Küstendünen in Niedersachsen. Durch Verbuschung insbesondere durch gebietsfremde Gehölze und durch Überalterung wegen fehlender Dynamik ist sie jedoch bedroht. Hier brütende Vögel wie Kornweihe und Sumpfohreule verlieren zunehmend Habitate. Aber auch Insekten wie die stark gefährdete Heidehummel sind auf die Besenheide angewiesen und haben auf Wangerooge ein Refugium gefunden. In diesem Jahr sollen deshalb Maßnahmen stattfinden bei denen großflächig natürlicherweise hier nicht vorkommende Arten wie Kartoffel-Rose, Spätblühender Traubenkirsche, Apfelbeere und Schwedischer Mehlbeere entfernt werden und sich Besenheide und andere typische Arten wieder entfalten können.

Aber nicht nur für den Schutz, sondern auch für das Erleben der Natur setzt sich der Nationalpark ein. Das Nationalpark-Haus Wangerooge hält hierfür von Wattwanderungen über Insel- und Pflanzen-Führungen bis zu Spülsaumerkundungen zahlreiche Angebote bereit. Im Jubiläumsjahr 2026 werden zusätzlich entlang der gesamten niedersächsischen Küste besondere Veranstaltungen stattfinden. „Wir freuen uns gemeinsam mit Insulaner*innen und Gästen den Nationalpark-Geburtstag zu feiern!“, so Annabel Mempel, Leiterin des Nationalpark-Hauses Wangerooge. „Unter dem Motto dieses Jubiläumsjahres wollen wir zeigen: Nationalpark wirkt!“